Honig, Agave und Co. – Alles ist Zucker!

Oktober 13 / Blog, Ernährung, Information / von Mag. Julia Tulipan

Zucker macht dick. Zucker macht krank. Zucker überlastet unseren Körper. All das ist mittlerweile eigentlich kein Geheimnis mehr, und dass allgemein zu viel Zucker konsumiert wird, auch darüber herrscht eigentlich Einigkeit.

Doch, sobald wir darüber sprechen wollen, was denn nun eigentlich Zucker ist, werden wir auf die ersten „Unterschiede“ stoßen. Zucker ist ein Meister der Tarnung und vermag es, sich in unzähligen Gestalten und Formen in unsere Ernährung zu schleichen. Wer nicht aufmerksam ist und um die wahre Gestalt von Zucker weiß, der läuft leicht in Gefahr, ohne sein Wissen, Zucker zu konsumieren.

Warum ist Zucker schlecht?

Ich sollte vielleicht die Frage noch einmal genauer formulieren. Zucker ist natürlich per se, nicht schlecht oder gefährlich. Zucker in größeren Mengen ist gefährlich. Nun mag sich der aufmerksame Leser fragen: „Was sind denn nun größere Mengen“? Eigentlich müsste jetzt wieder einmal der gute Paracelsus herhalten, den wie sagte er so schön – „Alleine die Dosis macht das Gift“. Das Problem mit Zucker ist und war, dass nicht ganz klar ist, ab welcher Dosis nun Zucker seine Giftigkeit entfaltet. Vor allem mit Zucker, ist es nicht nur eine Dosis-Frage, sondern auch eine Frage der „Einwirkungsdauer“. Also, das schädigende Potential von Zucker akkumuliert über die Zeit.

Jetzt haben wir immer noch nicht die Frage geklärt, was nun an Zucker so schädlich ist. Darauf gibt es sicherlich mehr als eine Antwort. Um die Sache nicht zu kompliziert zu machen, möchte ich mich auf zwei Hauptaspekte fokussieren – Insulin und Verzuckerung.

Was macht Zucker im Körper?

Gelangt Zucker (Glucose) in die Blutbahn, wird das Hormon Insulin ausgeschieden. Insulin ist ein, stammesgeschichtlich gesehen, sehr altes Hormon und hat viele tolle Eigenschaften. Neben seiner wichtigsten Aufgabe, nämlich die Glucose in die Zellen zu schleusen, wirkt es auch antioxidativ, stimuliert die Vitamin C Aufnahme und auch die Schilddrüse. Jetzt kommt das große ABER – in kleinen (physiologischen) Mengen! Soll heißen, ein bisschen Insulin ist super, viel Insulin und dauerhaft erhöhtes Insulin ist sehr schlecht. Die Hyperinsulinämie ist einer der besten Prädiktoren für Herz-Kreislauferkrankungen.

Unser Blutzucker ist ein streng reguliertes System, das nur minimale Schwankungsbreiten zulässt. In nüchternem Zustand hat ein Erwachsener nicht mehr als 5 g Zucker im Blut. Das ist alles was wir brauchen. In der Natur ist Zucker auch relativ selten, gut bewacht (Honig) oder in faserreiches Pflanzenmaterial verpackt.

Der zweite Faktor, den ich in Zusammenhang mit Zucker kurz anschneiden möchte ist die Verzuckerung oder auch Glykierung. Befindet sich Glucose im Blut, dann bindet diese an andere Moleküle wie zum Beispiel das Hämoglobin. Diese Bindung findet ohne Hilfe von Enzymen statt und ist irreversibel, also nicht umkehrbar. Ist ein Molekül einmal verzuckert, ist es dauerhaft geschädigt und kann seine Funktion nicht mehr richtig ausführen. Verzuckerte Moleküle werden als AGE bezeichnet. AGE steht für Advanced Glycation Endproduct. AGEs sind ein Marker für den Alterungsprozess und sie nehmen mit dem Alter zu. Je mehr AGEs jemand hat, um so schneller schreitet der Alterungsprozess voran. AGEs haben viele negative Eigenschaften, besonders hervorzuheben ist jedoch ihre negative Wirkung auf das Entzündungsgeschehen. AGEs führen zu einer Zunahme von Entzündungsprozessen im Körper.

 

Was ist Zucker?

Nachdem wir nun wissen, dass Zucker eine sehr große Belastung für den Körper darstellt, und wir uns einig sind, dass wir eigentlich so wenig Zucker wie möglich konsumieren wollen, müssen wir uns die Frage stellen – Was ist eigentlich Zucker?

 

Alle Kohlenhydrate sind Zucker

Kohlenhydrate sind nichts Anderes, als unterschiedlich lange Ketten von verschiedenen Einfachzuckern, die über spezifische Bindungen miteinander verbunden sind.

Einfachzucker (Monosaccharide)

Glucose, Fructose, Galactose

Zweifachzucker (Disaccharide)

Sucrose, Lactose

Mehrfachzucker (Polysaccharide)

Stärke

 

Alle Kohlenhydrathaltige Lebensmittel bestehen aus einer Kombination von Einfach-, Zweifach- und manchmal auch Mehrfachzuckern. Im Darm müssen alle Kohlenhydrate in Einfachzucker aufgespalten werden, denn nur so, können sie über den Darm absorbiert werden. Ist der Zucker in schwer verdaulichen Pflanzenfasern verpackt, dann dauert es wesentlich länger bis der Zucker im Blut ist, als aus hoch verarbeiteten Getreideprodukten, Süßigkeiten oder Getränken.

 

Agave, Dattel, Honig, Kokosblüte – am Ende ist alles Zucker

Eine Tatsache, die auch oft in der Paleo-Gemeinschaft vergessen wird ist, dass ALLE Kohlenhydrate Zucker sind. Ich spreche jetzt nicht vom Kürbis oder der Süßkartoffel. Auch wenn, für manche Menschen, selbst diese Zuckerladung schon zu viel ist, ist der enthaltene Zucker doch immer noch in Pflanzenzellen verpackt. Das große Problem stellen die vermeidlichen natürlichen Süßungsmittel dar.

Sowohl in vielen Paleo-Kochbüchern, als auch in Reformhäusern finden wir Rezepte und Produkte, die sich rühmen „ohne Zucker“ auszukommen. Liest man die Zutatenliste finden wir meist folgende Produkte: Datteln, Feigen, Banane, Honig, Ahornsirup, Kokosblütenzucker, Agavensirup, Apfelsaftkonzentrat, Reissirup, etc… Die Liste ist nicht vollständig, aber ich denke, die Problematik ist erkennbar. Gerade bei den diversen Snack-Bars, die gerade die Regale der Supermärkte erobern, ist der Kohlenhydratgehalt oft erschreckend hoch und liegt nur wenige Gramm unter einem Schokoriegel.

Riegel von Raw Bite

Zwischen 57 g und 39 g Zucker pro 100 g.

Riegel von Roo Bar

Zwischen 54 g und 66 g Zucker pro 100 g

Mars

70 g Zucker pro 100 g

Snickers

60 g Zucker pro 100 g

 

Auch wenn ein Riegel aus Datteln, Mandeln und Kakao sicherlich ein besserer Snack ist, als ein Schokoriegel aus Glucose-Fructose Sirup und gehärteten Pflanzenfetten, so ist es immer noch eine Süßigkeit und muss auch als solche behandelt werden. Ich sehe immer, immer wieder, dass hier das Grundverständnis für die Lebensmittelzusammensetzung fehlt. Nur, wenn wir das Wissen haben, können wir bessere Entscheidungen treffen.

Eine Liste der diversen Namen unter denen Zucker zu finden ist, habe ich hier zusammengestellt

Hello My Name ist Sugar

 

 

 

Mag. Julia Tulipan

Über den Autor

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin. Sie ist Speakerin, Dozentin und Best Seller Autorin ("Keto Kompass") und schreibt für verschiedene Magazine (u.a. Super You)sowie für ihr eigenes Blog JuliaTulipan.com vor allem zu den Themen ketogene und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Keto-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

Mag. Julia Tulipan

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