Interview mit Julia Gruber – Zuckersucht überwinden und wieso auch die Seele Nahrung braucht

September 11 / Blog / von Mag. Julia Tulipan

 

Julia Gruber ist Ernährungscoach und betreibt mit ihrem Mann eine eigene Praxis in Basel. Gemeinsam betreuen sie Menschen mit chronischen Beschwerden, Abnehmwillige und auch Hobby-Sportler und Profi-Athleten. Sie legen bei ihrer Betreuung besonderes Augenmerk auf die Mikronährstoffe, Unverträglichkeiten und den Darm. Eine optimale Versorgung mit Mikronährstoffen ist für einen funktionierenden Stoffwechsel essentiell und Defizite können sich stark auf die Leistung und Erholung auswirken.

Julia ist eine dynamische Persönlichkeit und ich hatte schon die Freude, sie in Berlin bei der Paleo Convention kennen zu lernen.

 

Erzähl doch mal ein bisschen über dich. Wie bist du in die Low-Carb Schiene hineingerutscht?

 

Ich bin eigentlich über meinen Mann überhaupt zur Ernährung gekommen. Er kommt aus dem Leistungssport und wir haben zusammen in einem Fitnessstudio gearbeitet. Anfangs habe ich ihm eher im administrativen Bereich und im Marketing geholfen, aber im Laufe der Jahre habe ich eine Ernährungs-Coach Ausbildung und eine Online-Weiterbildung als Holistic Health Coach am Institute for Integrative Nutrition in New York abgeschlossen.

 

In meiner Ausbildung als Ernährungs-Coach habe ich die Richtlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung kennen gelernt, aber komplett befriedigt hat mich das Gelernte nicht. Ein Bekannter hat uns dann ziemlich bald auf Metabolic Balance aufmerksam gemacht. Das ist eigentlich eine Art LOGI Ernährung, bei der aufgrund einer Blutanalyse ein persönlicher Ernährungsplan erstellt wird. Obwohl ich zuerst skeptisch war, hat mir der Ansatz von Metabolic Balance gefallen, denn sie sprechen von artgerechter Ernährung und das hat für mich sofort Sinn gemacht.

 

Wir haben dann begonnen, Kunden mit Metabolic Balance zu helfen und ich war erstaunt, welche tollen Ergebnisse die Leute in kürzester Zeit „nur“ mit einer Ernährungsumstellung erreichen konnten. Besserer Schlaf, mehr Energie, Blutdruck-Normalisierung und verbesserte Blutfettwerte, gepaart mit erfreulich erfolgreicher und anhaltender Gewichtsregulierung waren die gängigsten Rückmeldungen.

 

Es ist immer wieder erstaunlich. Viele meiner Kunden glauben mir anfangs nicht, dass die Ernährung unsere Gesundheit so entscheidend beeinflusst. Oft kommen sie dann ein paar Wochen nach der Ernährungsumstellung zu mir und erzählen mir ganz verwundert, was sich alles verbessert hat.

 

Meine erste Berührung mit Paleo oder Evolutionärer Ernährung war übrigens, dass mich ein Freund vor etwa 7 Jahren auf Mark’s Daily Apple, den Blog von Mark Sisson, aufmerksam gemacht hat. Mittlerweile haben wir dieses Jahr die Schweizerische Paleo Vereinigung mitgegründet und organisieren dieses Jahr zum ersten Mal einen zweitägigen Paleo Kongress mit hochkarätigen internationalen Sprechern.

 

Doch nicht nur die Ernährung per se, also die Makronährstoffe, sind bei uns ein Thema. Wir setzten in der Praxis auch Blutuntersuchungen ein, um zum Beispiel Defizite bei Mikronährstoffen zu erkennen oder die Versorgung mit Omega-3 Fettsäuren zu bestimmen.

 

Doch nicht nur die Ernährung per se, also die Makronährstoffe, sind bei uns ein Thema. Wir setzten in der Praxis auch Blutuntersuchungen ein, um zum Beispiel Defizite bei Mikronährstoffen zu erkennen oder die Versorgung mit Omega-3 Fettsäuren zu bestimmen. Und zu unserem absoluten Topthema mausert sich gerade der Darm, der eine absolut zentrale Rolle in unserem Stoffwechsel und für unsere Gesundheit spielt. Ist der Darm nicht in Ordnung, können die Nährstoffe nicht absorbiert werden. Deshalb setzten wir mittlerweile die ersten Schritte oft in dem Bereich an, indem wir eine umfassende Stuhlanalyse machen lassen und anschliessend erst einmal die Darmflora unserer Kunden gezielt aufbauen.

 

 

In deiner Praxis, was sind so die größten Herausforderungen bei der Ernährungsumstellung?

 

Die größte Herausforderung ist sicherlich, dass viele glauben ich würde ihnen etwas wegnehmen und dass das ja eine Diät ist und sie für den Rest ihres Lebens auf etwas verzichten müssten. Darum ist es wichtig, die Umstellung so „radikal“ zu machen, dass auf jeden Fall in den ersten zwei Wochen deutliche Verbesserungen zu sehen und zu spüren sind. Das ist motivierend und hilft bei der Umsetzung der neuen Gewohnheiten. Geht es den Kunden erst einmal anhaltend bedeutend besser, können wir auch gerne über eine Auflockerung der Ernährung sprechen.

 

Ausser diesen Ängsten sind es meiner Erfahrung nach oft die „Umstände“ des Alltags, die für viele eine grosse Hürde darstellen. So lange alles in Ordnung ist, ist es kein Problem bei einer gesunden Ernährung zu bleiben. Tauchen aber Probleme auf, wie zum Beispiel eine Scheidung, kranke Kinder oder Stress im Job, dann fallen wir in die alten Verhaltensmuster zurück.

 

Deswegen gehört meiner Meinung nach eben nicht nur die die tägliche gesunde Nahrung zu einer erfolgreichen Ernährungsumstellung, sondern auch das Erkennen, Annehmen und das gesunde Umgehen mit eben diesen herausfordernden Lebensumständen.

 

So spreche ich diese Umstände in meinen Beratungen auch an und ermuntere die Kunden, Lösungen zu finden und ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen oder sich gegebenenfalls auch Hilfe zu suchen.

 

 

Ein großes Thema ist die Zuckersucht. Was kann man darunter verstehen? Wie kann man sich entwöhnen?

Was vielen nicht bewusst ist: Zucker aktiviert tatsächlich Sucht- und Belohnungszentren in unserem Gehirn. So wie bei jeder Droge wird das Gehirn mit der Zeit immer weniger sensibel auf den Reiz und man benötigt immer größere Mengen der Substanz, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Ich glaube, das ist der Aspekt, den viele übersehen und der es auch so schwer macht, mit dem Zucker aufzuhören. Ich sehe teilweise echte Entzugserscheinungen. Das ist auch er Grund, warum es oft besser ist von einem Tag auf den anderen komplett auf Zucker zu verzichten. Cold Turkey – so zu sagen. So habe ich nach ein paar Tagen das schlimmste hinter mir. Macht man die Sache nur halbherzig, so kommt man oft nie ganz von der Sucht los und das macht dann die Ernährungsumstellung unnötig schwer.

Da vielen Leuten diese Zuckersucht gar nicht bewusst ist, habe ich einen kurzen Fragebogen entwickelt, der Aufschluss über die schwere der eigenen Zucker-Abhängigkeit gibt. Du kannst dich hier selber testen: www.ernaehrungs-coach.com/zuckerquiz

 

 

Du bist ja eine sehr aktive Geschäftsfrau. Wie schaut dein Tagesablauf aus? Welche Strategien setzt du ein (Stess, Meditation, Time Boxing,… etc) Und: Wie schaut deine Ernährung aus?

 

Mein Tagesablauf sieht momentan so aus, dass ich morgens als erstes ein Glas Wasser trinke und dann etwa 30 Minuten Sport mache (Kraftübungen mit eigenem Körpergewicht).

Dann gibt’s Frühstück und ich telefoniere kurz mit einer Freundin, die ebenfalls ihr eigenes Business hat. So halten wir uns gegenseitig in der Verantwortung, dass wir unsere Tagesaufgaben erledigen.

 

Ich habe seit kurzem begonnen mir Tage nach Themen einzuteilen. Also Montag ist zum Beispiel Blog und Newsletter schreiben, Dienstags Marketing und Social Media, Mittwoch und Donnerstag sind meine Tage für Kundentermine und Freitags arbeite ich an meinem Online-Kurs. Diese Einteilung hilft mir, nicht zu viele Dinge durcheinander zu machen. Ausserdem nehme ich mir pro Tag maximal 3 Dinge vor, die ich unbedingt erledigen möchte.

 

Meine Ernährung schaut in etwa so aus: Ich esse 3x pro Tag (Frühstück, Mittagessen, Abendessen), ohne Zwischenmahlzeiten. Ich trinke so gut wie nur stilles Wasser und zum Genuss schwarzen Kaffee. Selten einmal einen Milchkaffee oder ein Glas Wein.

 

Mittags gibt’s oft Salat mit Lachs oder Ei, manchmal auch Übriggebliebenes vom Vorabend oder wir gehen auch mal asiatisch essen.

 

Abends koche ich eigentlich fast immer. Wir essen so gut wie kein Brot und auch nur selten Pasta, es gibt bei uns eher Dinge wie Hackfleisch mit Zucchini und Paprika, Lauchsuppe mit Kichererbsen oder Rührei mit Champignons und Zwiebeln. Das klingt jetzt vielleicht unspektakulär, aber unter der Woche muss es schnell gehen, da wir beide berufstätig sind. Trotzdem lege ich grossen Wert auf liebevolle Zubereitung und verwende auch gerne unterschiedliche Kräuter und Gewürze, um den Gerichten etwas Besonderes zu verleihen.

 

Ich koche gerne und versuche immer wieder was Neues aus, lasse mich inspirieren von Blogs oder diversen Kochbüchern. Somit gibt’s manchmal auch Dinge wie Zucchini Nudeln an Mandel-Kurkuma-Sauce oder Süsskartoffel Pommes aus dem Backofen mit Blattsalat und Fisch oder Fleisch…

 

 

Du bietest einen sehr tollen 6 wöchigen Online Kurs, mit dem netten Titel „Nie wieder Nudeln ist auch keine Lösung“. Wie läuft der Kurs ab und was kann man sich erwarten?

 

Ich habe meinen Online Kurs für Menschen entwickelt, die sich immer wieder vornehmen, gesünder zu essen und es dann trotzdem nicht tun. Weil sie nicht wissen, wie sie anfangen sollen. Weil sie zu viel Arbeiten und zu wenig Zeit für sich selber haben. Oder weil sie alleine nicht die Motivation finden, dranzubleiben.

„Nie wieder Nudeln ist auch keine Lösung“

Der Kurs besteht aus 6 Modulen, die aufeinander aufbauen. Jedes Modul bringt einen neuen Aspekt mit hinein und insgesamt vermittelt der Kurs die wichtigsten Dinge, die jeder bezüglich Ernährung beherzigen sollte, um sich langfristig wohlzufühlen in seinem Körper. Mit dem Minimum das Maximum herausholen, sozusagen. Und dabei leicht umsetzbar und alltagstauglich.

Neben den Ernährungstipps und dem Hintergrundwissen erhalten die Teilnehmer auch Audio Lektionen rund ums Thema Lebensführung, wie zum Beispiel die mentale Probe eines Erfolges oder auch Anregungen zu einer eigenen Morgenroutine.

Ein paar Bonusmodule wie zum Beispiel die ideale mentale Vorbereitung auf eine Ernährungsumstellung, Tipps zur Menuplanung oder einen Minikurs zum Thema Frühstück gibt’s zusätzlich noch mit dem Kurs.

Und nicht zu vergessen ist die Facebook Gruppe, wo die Teilnehmer sich austauschen, Fragen stellen dürfen und selber auch die Frage des Tages beantworten können. Gerade diese Gruppe hilft, dranzubleiben und zu erkennen, dass du nicht alleine bist mit deinem Kampf, dich gesund zu ernähren. Und wer weiss, vielleicht ist es plötzlich auch kein Kampf mehr, sondern Gewohnheit und das Normalste der Welt…

Alle Infos zum meinem Kurs findest du hier:

http://ernaehrungs-coach.com/online-kurs/

 

Julias Blog

http://ernaehrungs-coach.com/

Julias und Romans Website

http://www.gruber-ernaehrung.ch

 

Mag. Julia Tulipan

Über den Autor

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin. Sie ist Speakerin, Dozentin und Best Seller Autorin und schreibt für verschiedene Online-Magazine sowie für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen ketogene und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Keto-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

Mag. Julia Tulipan

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  1. Für mich war die wichtigste Aussage im Interview, dass der Einstieg eher radikal erfolgen muss. Bei einem sanften Übergang entdeckt man die gesundheitlichen Verbesserungen zu wenig. Sehr wahrscheinlich wird dabei auch die Zuckersucht durchschlagen. Bei einiger Konsequenz lässt man die Umstellungsbeschwerden der ersten Tage hinter sich und genießt die Vorzüge der Fettverbrennung: Sättigungsgefühl, ruhiger Darm, reine Haut usw. sind nur einige davon.

    1. Danke für deine Rückmeldung Robert! Freut mich, dass wir da einer Meinung sind! Es geht schon auch mit sanftem Einstieg, aber die meisten unter uns haben nicht so viel Geduld und Durchhaltungsvermögen, und wenn nach wenigen Tagen kein Resultat spürbar ist, hören wir wieder auf. Deswegen denke ich: je radikaler die Umstellung desto schneller das Resultat und desto höher die Chance, dass man dranbleibt 🙂

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