Das sogenannte „böse“ LDL-Cholesterin (LDL-C) wird von den öffentlichen Gesundheitsbehörden als nachgewiesene Ursache für Herzkrankheiten angesehen, eine Ansicht, die primär auf der Tatsache beruht, dass Statine diesen Cholesterintyp senken und auch scheinbar das Risiko für Herzkrankheiten reduzieren.

Jedoch sehen wir viele Studien, die diese Ergebnisse nicht unterstützen, d.h., sie zeigen nicht, dass sehr niedrige LDL-C-Werte mit einem geringeren Risiko für Herzkrankheiten verbunden sind, eine Beobachtung, die zuletzt diese Woche in einer Veröffentlichung im BMJ Open bestätigt wurde [i]. Die Autoren überprüften Daten von fast 178.000 Patienten im Alter von 50–89 Jahren und fanden heraus, dass diejenigen, die am längsten lebten, LDL-Cholesterinwerte zwischen 100 und 189 mg/dL hatten.

Insulinresistenz als Risikofaktor

Wir wissen schon lange, dass Insulinresistenz einen starken und unabhängigen Risikofaktor darstellt [ii]. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass auch in der aktuellen Studie das Verhältnis von Triglyceriden zu HDL sowie Gesamtcholesterin zu HDL wesentlich relevantere Risikoparamter darstellen und nicht LDL-C. Erhöhte Triglyceride und niedriges HDL-C sind klassische Zeichen für das Vorliegen einer Insulinresistenz.

[i] Kip, Kevin E., et al. "Is LDL cholesterol associated with long-term mortality among primary prevention adults? A retrospective cohort study from a large healthcare system." BMJ open 14.3 (2024): e077949.

[ii] Wang, Zhenwei, et al. "Association between a novel metabolic score for insulin resistance and mortality in people with diabetes." Frontiers in Cardiovascular Medicine 9 (2022): 895609.

HR = Hazard Razio Liegt der Punkt oberhalb der roten Linie, dann besteht ein erhöhtes Risiko. LIegt der Punkt unterhalb der roten Linie, dann besteht ein verringerte Risiko.
Quelle: https://bmjopen.bmj.com/content/14/3/e077949

Warum ist das wichtig?

Die American Heart Association (AHA) sagt, „niedriger ist besser“ bei LDL-C und empfiehlt, die LDL-C-Werte für gesunde Menschen unter 100 mg/dL und für diejenigen, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, unter 70 mg/dL zu halten.

Man muss ich über die Empfehlungen der AHA in die angeblichen Vorteile so niedriger Werte wundern – niedriger, als diese BMJ Open-Studie als gesund vorschlagen würde – insbesondere, da LDL-C nicht zu den Eingabewerten für den eigenen Herzkrankheitsrisiko-Rechner der AHA gehört.

Es gibt ziemlich viele Gründe, die kausale Rolle von LDL-C bei Herzkrankheiten in Frage zu stellen. Für einen Blick auf den skeptischen Standpunkt siehe dieses Review-Papier von 2018 [1].

Warum der Fokus auf LDL-C?

Man könnte sich ja fragen, warum um alles in der Welt versteifen sich diese Institutionen so auf das LDL-Cholesterin, obwohl die Datenlage mehr als uneindeutig ist. Warum nicht die Wurzel des Übels – die Insulinresistenz – mehr in den Fokus rücken?

Die Antwort liegt leider, wie so oft, bei den finanziellen Interessen. LDL-C kann ich mit Medikamenten senken. Es gibt kein Medikament um die Insulinresistenz zu behandeln. Aus diesem Grund wartet man auch, bis jemand die Diagnose Diabetes bekommt, denn dann können Metformin und Co. verschrieben werden. Prävention – Fehlanzeige.

Das nachweislich Wirkungsvollste Mittel gegen die Insulinresistenz ist, eine kohlenhydratreduzierte Ernährung. Sie ist sogar so wirkungsvoll, dass selbst ein manifester Typ 2 Diabetes mit dieser in Remission gebracht werden kann [2]. So auch nachzulesen in dem Consesus Report der American Diabetes Association [3].

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…


[1] Ravnskov, Uffe, et al. "LDL-C does not cause cardiovascular disease: a comprehensive review of the current literature." Expert review of clinical pharmacology 11.10 (2018): 959-970.

[2] Unwin, David, et al. "What predicts drug-free type 2 diabetes remission? Insights from an 8-year general practice service evaluation of a lower carbohydrate diet with weight loss." BMJ Nutrition, Prevention & Health 6.1 (2023): 46.

[3] Davies, Melanie J., et al. "Management of hyperglycemia in type 2 diabetes, 2018. A consensus report by the American Diabetes Association (ADA) and the European Association for the Study of Diabetes (EASD)." Diabetes care 41.12 (2018): 2669-2701.

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