Was ist Urolithin A?
Urolithin A entsteht nicht direkt in Granatapfel, Beeren oder Walnüssen, sondern wird von bestimmten Darmbakterien aus Ellagitanninen / Ellagsäure gebildet. Diese Vorstufen kommen zum Beispiel in Granatapfel, Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, Walnüssen und Pekannüssen vor. Der entscheidende Punkt: Nicht jeder Mensch kann daraus effizient Urolithin A bilden. In einer Humanstudie hatten nur etwa 12 % der Probanden messbare Urolithin-A-Spiegel zu Beginn; nach Granatapfelsaft konnten etwa 40 % relevant Urolithin A bilden. Eine direkte Supplementierung mit 500 mg führte dagegen zu deutlich gleichmäßigeren Blutspiegeln und einer mehr als sechsfach höheren Gesamtexposition als Granatapfelsaft.
Hauptmechanismus: Mitophagie
Der wichtigste Mechanismus ist Mitophagie: beschädigte oder ineffiziente Mitochondrien werden erkannt, abgebaut und recycelt. Das ist nicht dasselbe wie „mehr Energie sofort“, sondern eher: bessere mitochondriale Qualitätskontrolle. In Humanstudien wurden Veränderungen bei mitochondrialen Biomarkern, Fettsäureoxidation, Acylcarnitinen, CRP und Muskelproteinen beobachtet.

Bildrechte: Mag. Julia Tulipan (2026)
Was ist beim Menschen bisher am besten belegt?
1. Muskelkraft und Muskel-Ausdauer
Die stärksten Human-Daten gibt es für Muskelgesundheit, besonders bei älteren oder mittelalten Erwachsenen. In einer randomisierten JAMA-Studie mit 66 Personen im Alter von 65–90 Jahren führte 1000 mg Urolithin A täglich über 4 Monate zu einer signifikanten Verbesserung der Muskel-Ausdauer in Hand- und Beinmuskulatur. Die primären Endpunkte – 6-Minuten-Gehtest und maximale ATP-Produktion im Muskel – wurden allerdings nicht signifikant verbessert. Das ist wichtig: Es gab positive Signale, aber keine „Wunderwirkung“.
2. Muskelkraft bei Menschen mittleren Alters
In einer weiteren randomisierten Studie mit 88 mittelalten Erwachsenen wurden 500 mg und 1000 mg täglich über 4 Monate getestet. Beide Dosierungen verbesserten bestimmte Messungen der Beinmuskelkraft, vor allem im Hamstring-Bereich; Lean Body Mass und Fettmasse blieben unverändert. Der primäre Leistungs-Endpunkt „Peak Power Output“ wurde nicht signifikant verbessert.
3. Mitochondriale Marker und Entzündungsmarker
Mehrere Studien zeigen Veränderungen in Biomarkern, die mit mitochondrialer Effizienz und Entzündung zusammenhängen, etwa niedrigere Acylcarnitine, Ceramide und CRP. Das ist biologisch plausibel, aber Biomarker sind nicht automatisch gleichbedeutend mit spürbaren klinischen Effekten.
4. Immunalterung – sehr spannend, aber noch junges Feld
Eine 2025 veröffentlichte randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 50 gesunden Erwachsenen zwischen 45 und 70 Jahren testete 1000 mg täglich für 28 Tage. Urolithin A veränderte bestimmte CD8+-T-Zell-Subpopulationen, erhöhte die Fähigkeit zur Fettsäureoxidation in CD8+-Zellen und zeigte Hinweise auf eine günstigere Immunzellfunktion. Das ist spannend für „Immun-Aging“ und Inflammaging, aber noch Proof-of-Concept, nicht schon klinischer Standard.
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Was kann man seriös sagen?
Urolithin A unterstützt die mitochondriale Qualitätskontrolle, indem es Prozesse der Mitophagie anstößt. Humanstudien zeigen vor allem positive Effekte auf Muskel-Ausdauer, bestimmte Aspekte der Muskelkraft und Biomarker der mitochondrialen Gesundheit. Besonders spannend ist Urolithin A im Kontext von gesundem Altern, Muskelfunktion und zellulärer Energieeffizienz.
Was sollte man nicht übertreiben?
Ich würde nicht behaupten:
„verlängert das Leben beim Menschen“
„macht jung“
„heilt Mitochondrien“
„verbrennt Fett“
„verbessert automatisch Blutzucker, Gewicht oder Herz-Kreislauf-Risiko“
„ersetzt Training, Protein oder Schlaf“
Eine systematische Übersichtsarbeit von 2024 fasst die Humanlage so zusammen: In fünf Studien mit insgesamt 250 gesunden Personen, Dosierungen von 10–1000 mg/Tag und Laufzeiten von 28 Tagen bis 4 Monaten zeigten sich Signale bei Entzündung, mitochondrialen Genen, Autophagie, Fettsäureoxidation sowie Muskelkraft/-ausdauer. Kein klarer Effekt zeigte sich auf Anthropometrie, kardiovaskuläre Outcomes oder allgemeine körperliche Funktion; längere und größere Studien sind notwendig.
Sicherheit und Dosierung
In den Humanstudien wurde Urolithin A meist gut vertragen. Die ältere JAMA-Studie fand keine statistischen Unterschiede bei Nebenwirkungen zwischen Placebo und Urolithin A; auch in der Immunstudie wurden keine lebensbedrohlichen Nebenwirkungen berichtet. Die US-FDA führt Urolithin A im GRAS-Kontext für bestimmte Lebensmittelanwendungen mit typischen Einsatzmengen von 250–500 mg pro Portion und bis zu 1000 mg pro Portion.
Praktisch liegen die Humanstudien häufig bei 500–1000 mg/Tag. 250 mg scheint in manchen Biomarker-Studien weniger deutlich zu wirken; 500–1000 mg sind die häufigeren Studiendosierungen.
Mein Fazit
Urolithin A ist eines der interessanteren Longevity-/Mitochondrien-Supplements, weil es nicht nur aus Zell- und Tiermodellen kommt, sondern bereits mehrere Humanstudien hat. Die beste Evidenz liegt aktuell bei Muskel-Ausdauer, Muskelkraft in bestimmten Tests und mitochondrialen Biomarkern. Für echte klinische Outcomes – weniger Krankheit, bessere Lebensspanne, klare Leistungssteigerung im Alltag – ist die Datenlage noch zu dünn.
Literaturliste: Urolithin A
- Andreux, P. A., Blanco-Bose, W., Ryu, D., Burdet, F., Ibberson, M., Aebischer, P., Auwerx, J., Singh, A., & Rinsch, C. (2019).
The mitophagy activator urolithin A is safe and induces a molecular signature of improved mitochondrial and cellular health in humans.
Nature Metabolism, 1, 595–603.
DOI: 10.1038/s42255-019-0073-4 - Singh, A., D’Amico, D., Andreux, P. A., Dunngalvin, G., Kern, T., Blanco-Bose, W., Auwerx, J., Aebischer, P., & Rinsch, C. (2022).
Direct supplementation with Urolithin A overcomes limitations of dietary exposure and gut microbiome variability in healthy adults to achieve consistent levels across the population.
European Journal of Clinical Nutrition, 76, 297–308.
DOI: 10.1038/s41430-021-00950-1 - Liu, S., D’Amico, D., Shankland, E., Bhayana, S., Garcia, J. M., Aebischer, P., Rinsch, C., Singh, A., & Marcinek, D. J. (2022).
Effect of Urolithin A Supplementation on Muscle Endurance and Mitochondrial Health in Older Adults: A Randomized Clinical Trial.
JAMA Network Open, 5(1), e2144279.
DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.44279
PMID: 35050355 - Singh, A., D’Amico, D., Andreux, P. A., Fouassier, A. M., Blanco-Bose, W., Evans, M., Aebischer, P., Auwerx, J., & Rinsch, C. (2022).
Urolithin A improves muscle strength, exercise performance, and biomarkers of mitochondrial health in a randomized trial in middle-aged adults.
Cell Reports Medicine, 3(5), 100633.
DOI: 10.1016/j.xcrm.2022.100633
PMID: 35584623 - Denk, D., Singh, A., Kasler, H. G., D’Amico, D., Rey, J., Alcober-Boquet, L., Gorol, J. M., Steup, C., Tiwari, R., Kwok, R., Argüello, R. J., Faitg, J., Sprinzl, K., Zeuzem, S., Nekljudova, V., Loibl, S., Verdin, E., Rinsch, C., & Greten, F. R. (2025).
Effect of the mitophagy inducer urolithin A on age-related immune decline: a randomized, placebo-controlled trial.
Nature Aging, 5, 2309–2322.
DOI: 10.1038/s43587-025-00996-x - Kuerec, A. H., Lim, X. K., Khoo, A. L. Y., Sandalova, E., Guan, L., Feng, L., & Maier, A. B. (2024).
Targeting aging with urolithin A in humans: A systematic review.
Ageing Research Reviews, 100, 102406.
DOI: 10.1016/j.arr.2024.102406
PMID: 39002645 - Ryu, D., Mouchiroud, L., Andreux, P. A., Katsyuba, E., Moullan, N., Nicolet-dit-Félix, A. A., Williams, E. G., Jha, P., Lo Sasso, G., Huzard, D., Aebischer, P., Sandi, C., Rinsch, C., & Auwerx, J. (2016).
Urolithin A induces mitophagy and prolongs lifespan in C. elegans and increases muscle function in rodents.
Nature Medicine, 22, 879–888.
DOI: 10.1038/nm.4132
PMID: 27400265 - Espín, J. C., Larrosa, M., García-Conesa, M. T., & Tomás-Barberán, F. A. (2013).
Biological significance of urolithins, the gut microbial ellagic acid-derived metabolites: The evidence so far.
Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2013, 270418.
DOI: 10.1155/2013/270418
PMID: 23781257 - García-Villalba, R., Giménez-Bastida, J. A., Cortés-Martín, A., Ávila-Gálvez, M. Á., Tomás-Barberán, F. A., Selma, M. V., & Espín, J. C. (2022).
Urolithins: A comprehensive update on their metabolism, bioactivity, and associated gut microbiota.
Molecular Nutrition & Food Research, 66, 2101019.
DOI: 10.1002/mnfr.202101019 - U.S. Food and Drug Administration. (2018).
GRAS Notice No. 791: Urolithin A.
Generally Recognized as Safe Notice, filed June 15, 2018; closed December 20, 2018.
Notifier: Amazentis SA.
Bildquellen:
- urulithin a thumbnail: Julia Tulipan
