Mag. Julia Tulipan

Das Ketonmolekül Beta-Hydroxybutyrat hemmt das Tumorwachstum

Der therapeutische Einsatz einer ketogenen Ernährung ist nicht neu. Bereits seit den 1930er Jahren wird eine ketogene Ernährung bei Kindern mit Epilepsie eingesetzt. Auch bei bestimmten seltenen Stoffwechselerkrankungen wie etwas GLUT-1 Transporterdefekten ist die ketogene Diät obligatorisch.

So etabliert die ketogene Diät in der Behandlung von Stoffwechselerkrankungen ist, so findet sie erst langsam den Weg auch in andere Anwendungsbereiche. Wir wissen mittlerweile, dass die Ketonmoleküle selbst, allen voran Beta-Hydroxybutyrat (BHB), auf unzählige Signalwege in der Zelle selbst positiv wirken. Somit auch das Interesse an der ketogenen Diät und an Ketonen als unterstützende Therapie bei Tumorerkrankungen. Dr. Thomas Seyfried hat mit seinem, 2010 veröffentlichten Artikel, „Cancer as a metabolic disease“ praktisch den Stein ins Rollen gebracht und seither ist die Bedeutung der Ernährung und insbesondere der ketogenen Diät als unterstützende Therapie, wieder in den Fokus der Forschung gerutscht [i].

Studien zeigen, dass die ketogene Ernährung und die dabei gebildeten Ketone das Immunsystem [ii] stärken, die Fettverbrennung fördern und den Blutzucker[iii] normalisieren, sowie entzündungshemmende Wirkung [iv] zeigen. Es gibt auch bereits eine große Menge an wissenschaftlichen Erkenntnissen und Fallbeispielen, dass Ketone sich positiv auf Lebensqualität und Fatigue bei Tumorpatienten auswirkt.


Ketone hemmen Darmkrebswachstum

Neue spannende Hinweise auf die versteckten Potentiale der Ketone liefert nun eine Studie, die im angesehenen Wissenschaftsmagazin NATURE veröffentlicht wurde [v]. Oxana Dmitrieva-Posocco von der University of Pennsylvania in Philadelphia und ihre Kollegen konnten bei Mäusen eine Hemmung des Tumorwachstums und die Hemmung der Neubildung von Tumoren erreichen.

 

Die Hemmung erfolgt durch das Keton Beta-Hydroxybutyrat (BHB). Bekamen Versuchsmäuse nur BHB verabreicht, hemmte dies das Darmkrebswachstum auch bei normalem Futter. BHB aktiviert ein Gen, welches das Wachstum der Krebszellen stört. 

Die ersten Versuche mit menschlichen Darmkrebszellen sind ebenfalls sehr positiv und zeigen auf einen ähnlichen Effekt hin. Der nächste Schritt sind klinische Studien mit Patientinnen.   Als eine persönliche Anmerkung möchte ich dir mitgeben, dass dies natürlich nicht die erste Arbeit ist, die diese Effekte auf das Tumorwachstum zeigen. Aber es ist bemerkenswert und ein großer Schritt, dass die Studie in NATURE veröffentlicht worden ist. Das zeigt, dass die Forschung um Ketone und ketogene Ernährung endlich aus dem „alternativ“ Eck herausgeholt wird.

Es gibt bisher keine Studie am Menschen, die schwerwiegende Nebenwirkungen der Keto Diät gefunden hat. Sollte man also Kosten und Nutzen, oder Vor- und Nachteile abwägen, so überwiegen die potentiellen Vorteile deutlich [vi]. Ich persönlich würde immer eine strenge ketogene Diät verfolgen, wenn ich von Krebs betroffen wäre.

Quellen

[i] Seyfried, Thomas N., et al. "Cancer as a metabolic disease: implications for novel therapeutics." Carcinogenesis 35.3 (2014): 515-527.

[ii] Goldberg, Emily L., et al. "Ketogenic diet activates protective γδ T cell responses against influenza virus infection." Science immunology 4.41 (2019): eaav2026.

[iii] Myette-Cote, E., et al. "Prior Ingestion of Exogenous Ketone Monoester Attenuates the Glycaemic Response to an Oral Glucose Tolerance Test in Healthy Young Individuals. LID-10.1113/JP275709 [doi]." (2018): 1469-7793.

[iv] Lechner, Katharina, et al. "Lifestyle factors and high-risk atherosclerosis: Pathways and mechanisms beyond traditional risk factors." European journal of preventive cardiology 27.4 (2020): 394-406.

[v] Dmitrieva-Posocco, Oxana, et al. "β-Hydroxybutyrate suppresses colorectal cancer." Nature (2022): 1-6.

[vi] Weber, Daniela D., et al. "Ketogenic diet in the treatment of cancer–where do we stand?." Molecular metabolism 33 (2020): 102-121.

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