Was ist LCHF – Ernährung?

März 2 / Blog / von Mag. Julia Tulipan

Die Abkürzung LCHF steht für Low Carb High Fat, also kohlenhydratreduziert und fettreich. Kohlenhydrate werden üblicherweise unter 50 g pro Tag gehalten. Sobald Kohlenhydrate reduziert werden, muss der Fettanteil hochgeschraubt werden. Bei LCHF werden zwischen 60 und 80% der täglich benötigten Energie in Form von Fett aufgenommen. Dies sind allerdings nur grobe Richtlinien. Die Zusammensetzung der Ernährung kann sich stark von Person zu Person unterscheiden. Hier spielen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Gewicht und bestehende Erkrankungen eine wichtige Rolle.

Warum darf ich mehr Fett essen?

Wir unterscheiden drei Makronährstoffe, Eiweiß (Protein), Kohlenhydrate und Fett. Neben den Makronährstoffen gibt es auch noch Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die auch als Mikronährstoffe bezeichnet werden. Reduziert man den Anteil von Kohlenhydraten in der Nahrung, muss die fehlende Energie entweder durch Fett oder Eiweiß gedeckt werden.

Nun stellt sich dem aufmerksamen Leser natürlich die Frage, warum erhöhen wir den Fettanteil und nicht den des Eiweißes? Der menschliche Körper ist ein äußerst anpassungsfähiges System. Füttern wir ihm jeden Tag viel Zucker, sind alle Zellen im Körper dahingehend optimiert, Zucker als primäre Energiequelle zu nutzen. Mit der Umstellung auf LCHF findet eine Umschulung des Körpers von Zucker hin zu Fett als Hauptenergielieferant statt. Fett ist eine wunderbare Energiequelle. Sie kann sehr effizient genutzt werden, es entstehen relativ wenig Abfallstoffe, wie freie Radikale und jeder von uns trägt relativ große Speicher mit sich herum. Selbst sehr, sehr schlanke Sportler haben mehrere 10.000 kcal in Form von Körperfett zur Verfügung. Würde man nicht Fett, sondern Eiweiß in der Ernährung entsprechend erhöhen, dann würde der Körper versuchen, daraus die fehlende Energie zu gewinnen. Die Energieherstellung aus Eiweiß ist nicht nur ziemlich ineffizient, wir würden auch Gefahr laufen, dass der Körper wertvolle Muskelmasse abbaut, vor allem dann, wenn gleichzeitig auch die aufgenommenen Kalorien reduziert werden. Muskelmasseverlust ist etwas, das wir um jeden Preis vermeiden müssen. Ein weiterer Nachteil ist, dass größere Mengen Protein, so wie Kohlenhydrate, zur Insulinausschüttung führen. Das Insulin führt dann oft in weiterer Folge zu einem starken Absinken des Blutzuckers und schon sind wir wieder in der Heißhungerachterbahn gefangen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass Fette viele lebenswichtige Aufgaben im Körper erfüllen. Wir brauchen sie unter anderem für die Bildung von Hormonen, das Immunsystem, für das Gehirn und das Nervensystem.

Ist so viel Fett gefährlich?

Fette sind die schwarzen Schafe der Ernährungswissenschaft. Jahrzehnte lang wurde vor Fett gewarnt. Schuld soll es sein an Herzinfarkt, Schlaganfall und Übergewicht. Doch neueste Studien zeigen, dass wir das Fett wohl zu Unrecht vom Speiseplan gestrichen haben 4.

Ernährungsempfehlungen auf den Kopf gestellt – Sind wir 50 Jahre lang falschen Empfehlungen gefolgt?

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie spricht Fette frei und gibt Kohlenhydraten die Schuld.

Seit mehr als 50 Jahren meiden wir Fett, wie der Teufel das Weihwasser. Vollkornprodukte und Kohlenhydrate stellen die Basis der Ernährung dar, denn nur so können wir rank und schlank bleiben, sowie Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen. Gebetsmühlenartig wurde das Dogma von den „bösen“ Fetten rauf und runter gepredigt. Doch könnte es sein, dass wir all die Jahre falsch gelegen sind?

Einen weiteren Wendepunkt stellte die Rede des ehemaligen Präsidenten der World Heart Federation, Dr. Yusuf Salim, Anfang des Jahres bei dem größten Kardiologiekongress in Davos dar, in der er wortwörtlich die derzeitigen Ernährungsempfehlungen als eine Lüge bezeichnet.

 

Deutsche Fachgesellschaften reagieren und ändern ihre Empfehlungen

In der Oktoberaussendung (2017) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie findet Prof. Uwe Nixdorff klare Worte: „Durch prospektive vergleichende Studien haben wir erkannt, dass ungesättigte Fette, also pflanzliche Fette und Öle, prognostisch günstig und sogar gegen Übergewicht gut sind. Die Revolution ist aber, dass auch tierische Fette rehabilitiert wurden. Ebenfalls schadet es kardiovaskulär gar nicht, wenn man mehrere Eier pro Tag isst. Das Hauptproblem für Übergewicht und Adipositas sind Kohlenhydrate, also vor allem Brot und Süßes. „Die Fastfood-Industrie bietet viele stark zuckerhaltige Produkte an. Zucker führt jedoch in die sogenannte Insulinfalle. Wird viel Zucker zugeführt, regt das die Insulinausschüttung an. Insulin shiftet die Glykose in die Zellen und führt schnell zu einer Hypoglykämie, die wiederum Hunger auslöst“, sagt Prof. Nixdorff. „Im schlimmsten Fall werden erneut Kohlehydrate zugeführt und der Teufelskreis dreht sich weiter[ii].“

Auch der VDBD (Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland) ändert die Fahrtrichtung und spricht sich nun eindeutig für eine kohlenhydratreduzierte Kost (low-carb) bei Diabetikern aus[iii].

Die Zeichen stehen auf Sturm und man darf also gespannt sein, was die Zukunft bringt. Die Hoffnung bleibt, dass mit dieser Kurswende offizieller Stellen, die Akzeptanz gegenüber low-carb zunimmt und es auch immer mehr geschulte Diätologen, Ärzte und Diabetologen geben wird, die sich auch mit dieser Ernährungsform auskennen.


[i] Teicholz, Nina. „The scientific report guiding the US dietary guidelines: is it scientific?.“ BMJ 351 (2015): h4962.

[ii] Pressetext DGK 10/2017

[iii] https://vdbd.de/Downloads/171018_vdbd_ernahrung_download_end.pdf (abgerufen 09.11.2017)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildquellen:

Mag. Julia Tulipan

Über den Autor

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin. Sie ist Speakerin, Dozentin und Best Seller Autorin ("Keto Kompass") und schreibt für verschiedene Magazine (u.a. Super You)sowie für ihr eigenes Blog JuliaTulipan.com vor allem zu den Themen ketogene und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Keto-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

Mag. Julia Tulipan

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