Im laienhaften Sprachgebrauch werden die Begriffe Allergie und Unverträglichkeit (oder Intoleranz) gleichbedeutend verwendet. Jedoch gibt es einige wichtige Unterschiede.

Die Allergie
Bei einer Allergie kommt es immer zu einer Überreaktion des Immunsystems. Also eine überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte und normalerweise harmlose Umweltstoffe (Allergene). Typisch für Allergien ist auch, dass beim ersten Kontakt mit einem Allergen noch keine Symptome ausgelöst werden können. Erst nach einer Sensibilisierung, d. h. einer Allergen-spezifischen Antikörperbildung, kann bei einem weiteren Kontakt mit diesem bestimmten Allergen eine allergische Reaktion auftreten. Kleinste Mengen dieser Allergene (Nanogramm-Bereich) reichen, um eine Sensibilisierung, d. h. eine erste Bildung von Allergen-spezifischen IgE-Antikörpern, in Gang zu bringen. Hat eine erste Sensibilisierung stattgefunden, reichen kleinste Allergenmengen aus, um eine allergische Reaktion auszulösen.
Die Intoleranz
Bei der Nahrungsmittelintoleranz kommt es nicht zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems. Intoleranzen können angeboren oder erworben sein.
Im üblichen Gebrauch werden Nahrungsmittelintoleranzen wie folgt definiert: Es wird in drei Arten von Unverträglichkeitsreaktionen unterschieden, die weder einen toxischen noch einen allergischen Hintergrund haben.
- Resorptionsbedingte Intoleranz (Transporterdefekte)
Bei dieser Art der Intoleranz fehlen bestimmte Transporter oder sind in zu geringem Maß ausgebildet. Dadurch kann der Betroffene bestimmte Nahrungsbestandteile nicht oder nicht vollständig absorbieren. Ein Beispiel hierfür ist die Fructosemalabsorption. - Enzymatische Intoleranz
Ursache für die enzymatische Intoleranz istein Enzymmalgenoder Enzymdefekt. Dies macht es der betroffenen Person unmöglichbestimmte Nahrungsbestandteile (vollständig) enzymatisch zu verdauen. Folgende enzymatische Intoleranzen sind bekannt:- Laktoseintoleranz
- Hereditäre Fruktoseintoleranz
- Galactose-Intoleranz (siehe auch Galaktosämie)
- Histamin-Intoleranz
- Saccharoseintoleranz
- Sorbitintoleranz
- Pharmakologische Nahrungsmittel-Intoleranz
Bestimmte Substanzen in Nahrungsmitteln sind pharmakologisch aktiv und können, wenn sie in großen Mengen verzehrt werden, zu Symptomen der Nahrungsmittel-Intoleranzen führen (relative Intoleranz):- Biogene Amine (Tryptamin in Tomaten, Phenylethylamin in Schokolade, Tyramin in reifem Käse und Schokolade, Serotonin in Bananen und Nüssen)
- Glutamate (Glutamatunverträglichkeit)
- Koffein
- Pseudoallergische Reaktionen auf Nahrungsmittelzusatzstoffe
Pseudoallergien gleichen Allergien in ihrem klinischen Bild, zeigen sich also mit ähnlichen Symptomen. Bei den Pseudoallergien kommt es zu einer unspezifischen Aktivierung undDegranulierung von Mastzellen.- Typische Auslöser sind:
- Lektine (enthalten z. B. in Bohnen)
- Salicylate in Äpfeln oder Aprikosen, aber auch die in Schmerzmitteln verwendete Acetylsalicylsäure
- Konservierungsstoffe (z. B. Benzoesäure)
- Säuerungsmittel (z. B. Zitronensäure, Essigsäure)
- bestimmte Medikamente (siehe dazu Intoleranz (Medizin))
- Farbstoffe (z. B. Tartrazin),
- Emulgatoren (z. B. Lecithin),
- Sulfite
Die häufigsten Symptome von Nahrungsmittelintoleranz sind [1]:
- Juckreiz, Flush, Urtikaria, Quincke-Ödem
- Rhinokonjunktivitis, Heiserkeit, Hustenreiz, Asthma
- Juckreiz und Schwellungen der Mundschleimhaut oder im Larynx
- Übelkeit, Erbrechen, Koliken, Diarrhoe
- Tachykardie, Hypotonie, Extrasystolie
- Aufflammen einer atopischen Dermatitis (Schuppenflechte)
Aber auch weniger offensichtliche Symptome können Folge einer Nahrungsmittelintoleranz sein:
- Migräne
- Verstärkung psychischer Erkrankungen (Schizophrenie, Depressionen)
- ADHS, Konzentrationsstörungen und „brain fog“
- Schlafstörungen
- Verstärkung oder wieder aufflammen von Allergien
Referenzen:
[1]Fritsch (2009) Dermatologie & Venerologie fürs Studium; S124
