DNA-Analysen – sind sie das Geld wert?

Januar 5 / Blog, Ernährung, Performance und Leistung / von Mag. Julia Tulipan

1953 ist ein historisches Jahr. Warum? Dies war das Jahr in dem es Francis Crick und James Watson gelang, die Struktur des DNA Moleküls erstmals zu beschreiben. DNA (deutsch: DNS) steht für Desoxyribonukleinsäure. Man kann sich die DNA vielleicht am besten als Festplatte vorstellen, auf der alle Programme gespeichert sind.
Maclyn McCarty with Francis Crick and James D Watson - 10.1371 journal.pbio.0030341.g001-O

Was ist eigentlich die DNA?

DNA besteht aus 4 Nukleotidbausteinen. Jedes Nukleotid besteht aus einem Zucker (Ribose), einem Phosphat und einer Base. Die Nukleotide sind zu langen Ketten (Polynukleotidketten) mit einem Zuckerphosphat-Rückgrat verbunden, aus denen die Basen herausragen. Die vier Basen der DNA heißen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin. Ein DNA-Molekül besteht aus zwei Polynukleotidketten, die Basenpaar sind über Wasserstoffbrückenbindungen verbunden. Die beiden DNA-Stränge sind zu einer Doppelhelix verdreht.

ADN animation

Nature or Nurture?

Die Frage, die Naturwissenschaftler zu dieser Zeit besonders beschäftigte war, sind wir nur ein Produkt unserer Gene oder ein Produkt unserer Umwelt? Zu Beginn dachte man, dass der Einfluss der Umwelt nur sehr gering ist und unser Schicksal durch unsere Gene besiegelt sei. Heute wissen wir, dass es sich wohl genau gegenteilig verhält. Unsere Gene liefern zwar ein grundsätzliches Grundgerüst, welche Gene aktiviert und ausgelesen werden, bestimmt die Umwelt. Dies nennt man Epigenetik.

Mit der Entdeckung der DNA und später auch mit ihrer vollständigen Sequenzierung dachte man, den Schlüssel zu ewigem Leben und einer Welt ohne Krankheit in den Händen zu halten. Die letzten Jahrzehnte haben uns eines Besseren belehrt. Die Epigenetik und der Einfluss von Umweltfaktoren sind das Forschungsfeld der Zukunft.

Interview mit Lucia Aronica „Low Carb, Ketogenic Diets & Genetic Expression“

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DNA Tests – Chancen und Limitierungen

Wenn nun doch nicht unser Schicksal in den Genen liegt, warum dann überhaupt testen lassen? Das ist natürlich eine berechtigte Frage. Auch wenn nicht alles unauslöschlich in den Genen eingemeißelt ist, gibt es dich gewisse wertvolle Information, die man aus einem Gentest für sich herausnehmen kann. Es gibt zum Beispiel klar definierte Erbkrankheiten, deren Träger man sein kann, ohne selber die Symptome der Krankheit zu zeigen. Das kann wichtig sein, wenn man sich entscheidet Nachwuchs in die Welt zu setzten. Eine DNA-Analyse kann aber auch gewisse Schwachpunkte zeigen und man hat dann die Möglichkeit entsprechende präventive Maßnahmen zu setzten. So gibt es Menschen, die einen höheren Vitamin B12 Bedarf haben, oder schlecht darin sind Beta-Carotin in Vitamin A umzuwandeln.

Aktuelle seriöse DNA Test am Markt

Es gibt zu Zeit nur zwei wirklich seriöse Firmen am Markt, die DNA Analysen anbieten. 23andme hat eine Pionierrolle inne, war es doch 23andme, die als erste Firma überhaupt, DNA Analysen einer breiten Öffentlichkeit zu einem vernünftigen Preis ermöglichten. Das Unternehmen wurde im April 2006 von Linda Avey, Paul Cusenza und Anne Wojcicki gegründet und hat seinen Sitz in Mountain View, Kalifornien. Anfänglich nur in den USA erhältlich, kann man den DNA-Test von 23andme nun auch in ausgewählten europäischen Ländern erwerben (Österreich und Deutschland sind nicht dabei). Die Kosten derzeit betragen 145 GBR Pfund oder 99 US Dollar.

Die zweite Firma am Markt ist DNAFit. Das britische Unternehmen versendet auch nach Österreich und Deutschland. DNAFit bietet verschiedene Pakete an. Das günstigste Paket startet bei 119€ und das teuerste Paket kostet 338€. Grundsätzlich kann man entscheiden, worauf der Fokus der Analyse gelegt werden soll, Fitness & Diet, Sports oder Wellbeing.

Aufbereitung und Verständlichkeit

Jeder, der schon einmal Daten von sich gesammelt hat weiß, dass es damit nicht getan ist. Die Aufbereitung und Darstellung der Daten ist mindestens genau so essentiell, wie das Sammeln der Daten selber. Hier sticht in meinen Augen DNAFit besonders positiv heraus. Man erhält ein sehr schön gestaltetes Info-pdf mit den wichtigsten Erkenntnissen aus dem persönlichen DNA Test und Hinweise darauf, welche Konsequenzen man aus diesen Ergebnissen ziehen kann.

Meine Ergebnisse von 23andMe

Ich habe im April 2015 meine DNA bei 23andme analysieren lassen. Hier meine Schlüsselerkenntnisse:

  • Erhöhtes Risiko an Zöliakie zu erkranken (rs3184504 is a nonsynonymous SNP in the SH2B3 gene)
  • normale Konvertierung von pflanzlichem Beta-Carotin (rs7501331)
  • Keine Hämochromatose( G/G = not a carrier) (Rs1800562(A:A), which codes for hemachromatosis, or excessive iron accumulation. For Northern European folks (in whom the SNP most often appears) moving from an iron-heavy, meat-rich hunting and gathering diet to a Neolithic diet of mineral-binding cereal grains, anenhanced uptake of dietary iron may have been helpful. This is probably worth knowing, because iron accumulation is indicated in several illnesses.
  • Verminderte Methylierung (MTHFR)
  • Kein ApoE4 Typ
  • Erhöhter Bedarf an B6 und B12
  • 281 Neanderthalervarianten, das sind mehr als 55% aller 23andme User habe. Neanderthaler DNA macht 4% meiner DNA aus.
  • Maternale Haplogruppe H1c3 (Mitochondriale DNA). Alter: 13,000 Jahre. Europa, Naher Osten, Zentral Asien und Nordwest Afrika.
  • Ich trage keine der 41 getesteten Erbkrankheiten
  • Normale Konvertierung von Beta-Carotin. C/C Wild-Typ (rs7501331) http://bots.snpedia.com/index.php/Rs7501331

 

Meine Ergebnisse von DNAFit Fitness Report

  • 45% Power/ 55% Endurance
  • Aerobic Potential: Medium
    Include both endurance and power activities in your training program to improve on your intermediate VO2 max tendency.
  • Recovery Speed: Medium
    Your genetic variation may result in slower free radical clearance. You have variations in genes related to inflammation & recovery.
  • Injury Risk: High
    Your genetic results indicate that you have an overall higher than average risk of a sports related soft tissue injury.

Meine Ergebnisse von DNAFit Diet Report

  • Optimal Diet Type: Low Cabrohydrate Diet (na so ein Glück)
  • Erhöhter Bedarf: Folsäure, Vitamin B6, Vitamin B12, Antioxidantien, Omega 3 und Fiber
  • Sensitiv auf: Salz, gesättigtes Fett (?), verarbeitete Kohlenhydrat, Zucker und gegrilltes Fleisch
    You have a medium-high sensitivity to carbohydrates – this is an overall measure of the potential effects of your combined genotype on aspects such as carbohydrate metabolism and assimilation, short term glucose fluctuations and longer term insulin sensitivity.


CYP1A2*1F Your genetic result for this gene (A/A) mean that you have two copies of the rapid version of the enzyme, which activates more rapidly potentially toxic substances present in meat cooked at high temperatures. The ’T’ version of the EPHX1 gene codes for the fast activity enzyme. With these results it is advisable to limit your consumption of grilled or smoked meat to 1-2 servings per week.

 

  • Entgiftung eingeschränkt.
    Two genes exist that affect the second phase of the detoxification process, GSTM1 and GSTT1. However, in some people these genes are not actually present. Luckily, with adequate intake of the correct vegetables, we can all but cancel out the lack of these genes. Vegetables such as cabbage, cauliflower and broccoli are known as “Cruciferous” vegetables. These vegetables promote your body’s natural ability to remove dangerous toxins created in Phase 1. So even if you have the ‘deleted’ version of the detoxification genes below, getting enough cruciferous vegetables means you’ll be in good stead when it comes to detoxification

Genes Analysed GSTM1 D und GSTT1 I – You have the D (deleted) version of the GSTM1 gene which means that no GSTM1 enzyme is produced. You can compensate by adding extra portions of cruciferous vegetables and consume on average at least 3-4 portions per week. It is also recommended that you add frequent consumption of allium vegetables (garlic, onions, etc) to your diet.

 

  • Hoher Bedarf an Antioxidantien
  • Erhöhter Bedarf an Omega 3 Fettsäuren:
    Your results show that you have normal expression for TNF but are heterozygous for IL6 (G/C) which can lead to increased cytokine levels. Your recommended intake of Omega 3 is greater than the official guidelines at 2 g per day from food and a good quality supplement.
  • Lactosetolerant
  • Prädisposition für Zöliakie
  • Schneller Metabolisierer von Koffein
  • Positiver Effekt von Wein auf meinen Cholesterinspiegel (grins)

 

DNAFit Infographic Downlaod 2016 – DNAFit infographic (1)

 

Der DNAFit Report kommt mit sehr schön aufbereiteten pdfs, wo die Ergebnisse sehr detailliert erklärt werden und auch welche Maßnahmen man zur Prävention treffen kann. Grundsätzlich decken sich die Ergebnisse aus meiner 23andme Analyse sehr gut mit den DNAFit Ergebnissen, was für mich auch die Glaubwürdigkeit deutlich erhöht.

Obwohl ich nicht ApoE4 Typ bin, scheine ich eine Sensitivität gegenüber gesättigtem Fett zu besitzen. Ich werde jetzt einmal gezielt auf einfach ungesättigte Fette setzen und schauen, ob das meine Blutfettwerte beeinflusst. Grundsätzlich weiß ich ja, dass meine LDL-Partikelgröße gut ist und von der Seite her keine Gefahr besteht.

B-Vitamine und Methylfolat ergänze ich mittlerweile schon über ein halbes Jahr und ich habe das Gefühl, dass es mir damit bessergeht (Gewichtsmanagement) und Energielevel. Auch die LDL Subfraktionen haben sich durch die Supplementierung positiv verändert.

Wer jetzt auch neugierig geworden ist, der kann direkt auf der Website von DNAFit ein Test-Kit bestellen.

 

Mag. Julia Tulipan

Über den Autor

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin. Sie ist Speakerin, Dozentin und Best Seller Autorin ("Keto Kompass") und schreibt für verschiedene Magazine (u.a. Super You)sowie für ihr eigenes Blog JuliaTulipan.com vor allem zu den Themen ketogene und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Keto-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

Mag. Julia Tulipan

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