Die Keto Live Conference in St. Moritz ist keine gewöhnliche Konferenz. Sie ist familiär, intensiv und geprägt von echter Begegnung – mit den führenden Köpfen der ketogenen Stoffwechseltherapie, mit Gleichgesinnten und mit Ideen, die unsere Sicht auf chronische Erkrankungen grundlegend verändern können. Fünf Tage – fünf Themenschwerpunkte. Was bleibt, ist das Gefühl: Wir stehen am Anfang eines Paradigmenwechsels.

Tag 1: Psychiatrie und Neurologie – die Rolle des Stoffwechsels in der psychischen Gesundheit

Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Metabolic Psychiatry. Dr. Iain Campbell gab einen Überblick über den aktuellen Stand dieses aufstrebenden Forschungsfelds, das die Zusammenhänge zwischen Stoffwechsel und psychischen Erkrankungen in den Fokus rückt. Universitäten wie Harvard, Oxford und Basel betreiben dazu eigene Forschungsprogramme. Besonders betont wurde die zentrale Rolle von Insulinresistenz – auch Psychopharmaka wie Lithium beeinflussen insulinabhängige Signalwege.

Dr. Julie Milder von der Baszucki Group stellte laufende und geplante Studien zu Depression, bipolarer Störung, Anorexie und Schizophrenie vor – darunter ein Pilotprojekt an der renommierten Mayo Clinic. Metabolische Ansätze bei psychischen Erkrankungen sind kein Randphänomen mehr, sondern werden zunehmend zum Forschungsschwerpunkt international führender Institutionen.

Speaker & wissenschaftlicher Beirat Keto Live 2025

Tag 2: Herz, Insulinresistenz und schlechte Wissenschaft

Dr. Eric Westman betonte die Bedeutung von Low Carb und ketogener Ernährung in der klinischen Praxis – nicht nur bei Übergewicht, sondern auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Er forderte mehr Pragmatismus und erinnerte daran, wie wichtig niederschwellige Ernährungstherapie gerade für Menschen mit geringen Ressourcen ist.

Dr. Bret Scher sprach über das metabolische Syndrom – eine stille Epidemie, bei der nur 12 % der Amerikaner als metabolisch gesund gelten. Der Fokus auf LDL-Cholesterin verkennt laut Scher die eigentliche Ursache vieler Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Insulinresistenz. Schlechte Leitlinien und verkürzte Studien – oft basierend auf schwachen epidemiologischen Daten – behindern dringend nötige Fortschritte.

Dr. Adrian Soto-Mota sprach über kardiovaskuläre Risikoabschätzung und betonte die Bedeutung von Lifestyle-Interventionen gegenüber Medikamenten: Während Statine eine Number Needed to Treat (NNT) von 95 haben, liegt die NNT bei Bewegung für kardiovaskuläre Ereignisse bei nur 5.

Dr. Johannes Kovarik thematisierte das "Cardio-Renal-Metabolic Syndrome", das die enge Verbindung von Nierenerkrankungen mit Insulinresistenz und Herzproblemen betont. Überraschend: 9 von 10 Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion wissen nichts davon – ein oft übersehener Prädiktor für spätere Herzprobleme.

Den Abschluss machte Dr. David Unwin, der in seiner britischen Kassenpraxis seit Jahrzehnten Daten sammelt. Seine Erfahrungen zeigen: Low Carb muss weder kompliziert noch teuer sein – und wirkt trotzdem beeindruckend, etwa bei Fettleber oder Blutzuckerregulation.

Tag 3: Krebs – ketogene Ernährung als Stoffwechseltherapie

Am dritten Tag rückte Krebs in den Mittelpunkt. Dr. Cristina Tomasi sprach über den Einfluss von Hormonen auf Insulinsensitivität – auch bei Krebspatienten. Hormonersatztherapien können, wenn korrekt eingesetzt, Lebensqualität verbessern und müssen nicht im Widerspruch zur Krebsprävention stehen.

Dr. Thorsten Cramer präsentierte ein Mausmodell für aggressiven Leberkrebs, das auf herkömmliche Therapien nicht anspricht – wohl aber auf ketogene Ernährung: Tumorwachstum, Aktivität und Überlebenszeit verbesserten sich deutlich.

Dr. Isabella Cooper betonte, dass es Unterschiede zwischen „Low Carb“ und „ketogener Stoffwechseltherapie“ gibt – ein Unterschied, der selbst in Studien oft ignoriert wird. Sie zeigte, dass viele Referenzwerte (z. B. für Schilddrüsenhormone wie T3) an High-Carb-ernährten Menschen erhoben wurden und daher für ketogen lebende Personen nicht gelten können. Sie betonte: Die besten Marker für Gesundheit und Langlebigkeit sind nüchternes Insulin und IGF-1.

Dr. Tomás Duraj aus Boston zeigte auf, dass Medikamente gegen Krebs auf dieselben Stoffwechselwege zielen wie eine ketogene Diät – ein starkes Argument für Kombinationstherapien.

Dr. Christoph Wilhelm und Dr. Simone Kreth untersuchten die Rolle von Ketonen bei Infektion, Inflammation und Immunregulation – insbesondere bei COVID-19 und Sepsis. Die Ergebnisse deuten auf eine Verbesserung der Glukosekontrolle und Immunfunktion unter ketogener Ernährung hin, sogar bei kritisch kranken Patienten.

Tag 4: Insulinresistenz, Typ-2- und Typ-1-Diabetes

Ein zentrales Thema: der Unterschied zwischen Symptombehandlung und Ursachenbekämpfung. Dr. Paul Reynolds sprach über Glycation, Entzündung und Insulinresistenz als gemeinsame Wurzel vieler chronischer Krankheiten.

Ein wichtiger Diskussionspunkt waren auch GLP-1-Agonisten wie Ozempic: Während die Pharmaindustrie diese als lebenslange Lösung bewirbt, steigen viele Patient:innen nach 1–2 Jahren wegen Nebenwirkungen aus. Der Gegenvorschlag: Die körpereigene GLP-1-Produktion durch ketogene Ernährung aktivieren – nachhaltig und nebenwirkungsfrei.

Dr. Claudia Steigleder und Dr. Andrew Koutnik (selbst Typ-1-Diabetiker) zeigten, wie Menschen mit Typ-1-Diabetes durch kohlenhydratarme Ernährung eine deutlich bessere Blutzuckerkontrolle erreichen. Besonders beeindruckend: Kutnik lebt seit 10 Jahren ketogen, ist sportlich aktiv und hat einen HbA1c von unter 5,5 %. Auch Dr. Ian Lake und Dr. Peter Brukner (Australien) zeigten praxisnahe Strategien für Typ-1-Diabetiker, darunter neue Therapieansätze, Sensoren und patientenzentrierte Programme.

Tag 5: Ketone, Hormone und neurologische Erkrankungen

Den letzten Konferenztag eröffnete Dr. Adrian Soto-Mota mit einem Überblick über exogene Ketone und deren mögliche therapeutische Anwendung – etwa bei neurodegenerativen Erkrankungen. Besonders spannend: Beta-Hydroxybutyrat (BHB) verhält sich im Körper eher wie ein Hormon denn ein bloßes Energiesubstrat – inklusive Feedbackregulation über Insulin.

Dr. Ana Iacob sprach über den metabolischen Effekt von Antidepressiva und wie diese teils bestehende Dysregulationen verschärfen können. Der Blick auf die metabolischen Nebenwirkungen psychiatrischer Medikamente ist ein dringend nötiger Perspektivwechsel.

Den Abschluss machte Dr. Matthew Phillips aus Neuseeland, der über ketogene Therapieansätze bei Parkinson, MS und Alzheimer sprach – inklusive Fasten und Bewegung. Seine Protokolle, unterlegt mit Fallstudien, zeigen: Der metabolische Ansatz greift dort, wo klassische Therapien an Grenzen stoßen.

Fazit: Eine Bewegung nimmt Fahrt auf

Was bleibt nach fünf intensiven Tagen? Hoffnung. Hoffnung auf Therapien, die an der Wurzel ansetzen. Auf Wissenschaftler:innen, die neue Wege gehen. Auf Ärzt:innen, die zuhören und begleiten. Und auf Menschen, die sich trauen, ihren Lebensstil zu verändern.

Die Keto Live Conference zeigt: Stoffwechsel ist der gemeinsame Nenner vieler chronischer Erkrankungen – und Ernährung ist mehr als nur Kalorien. Sie ist Information, Steuerung, Signal.

Save the Date: Die nächste Keto Live Conference findet vom 8. bis 12. Juni 2026 wieder in St. Moritz statt. Wer Gesundheit neu denken möchte, sollte dabei sein.

Bildquellen:

  • Speaker Keto LIve 2025: KetoLive
  • Eric Westman: Julia Tulipan
  • Danke Julia, ich freue mich sehr über die schöne Zusammenfassung und hoffe, dass ich 2026 wieder mit dabei sein kann!

  • Liebe Julia vielen herzlichen Dank für dein Engagement. In Sinn von lass die Nahrung deine Medizin sein….:-) Durch dich wegen wir immer besser. LG Christine

  • herzlichen Dank für diese Zusammenfassung ! Nächstes Jahr werde ich teilnehmen ::))

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