Ich habe schon einige Artikel über Ketose geschrieben. Ich werde nicht alles noch einmal wiederholen. Hier die wichtigsten Artikel:
Grundlagen der Ketose und Bedeutung von Ketonkörpern
Grundlagen der Energiegewinnung in der Zelle
Grundlagen der Energiegewinnung aus Fett
In diesem Artikel werden wir uns nur mit zwei Fragen beschäftigen.
1. Was bedeutet metabolische Flexibilität und 2. Muss man in Ketose sein um Fett zu verbrennen?
Was bedeutet metabolische Flexibilität?
In dem Artikel „Wie macht der Körper aus Fett Energie?“ habe ich erklärt, dass es ein Shuttle-System bedarf, um Fettsäuren durch die innere Mitochondrienmembran zu transportieren. Wir benötigen also verschiedene „LKWs“, um entweder Fettsäuren oder Glucose in die Zelle zu schleusen. Läuft dein Körper hauptsächlich auf Zucker, dann gibt es keinen Bedarf für die Fett-LKWs und es werden in erster Linie nur „Zucker-LKWs“ bereitstehen.
Stellen wir auf eine LCHF-Ernährung um, dann braucht es eine Weile bis ausreichend Fett-LKWs bereitgestellt werden. Aus diesem Grund fühlt man sich am Anfang müde, schlapp und energielos. Je öfter und je länger wir in einer ketogenen Stoffwechsellage verbringen, umso größer ist der Fuhrpark und es kann schneller zwischen „Fett-LKWs“ und „Zucker-LKWs“ gewechselt werden. Diesen Zustand bezeichnet man als metabolische Flexibilität.
Muss man in Ketose sein, um Fett zu verbrennen?
Kurz gesagt, nein. Aber es erleichtert die Sache ungemein
Wir befinden uns die meiste Zeit in einem Mischzustand. Es werden also gleichzeitig Glucose und Fettsäuren zur Energiegewinnung herangezogen. Wie die genaue Aufteilung aussieht, ist jedoch recht variabel. Faktoren wie Puls, metabolische Gesundheit und hormonelles Umfeld bestimmen, welcher Makronährstoff primär genutzt wird.
Besitzen wir keine ausreichende metabolische Flexibilität, oder behindert Insulin den Fettabbau, dann wird in erster Linie Zucker verstoffwechselt. Wer alle 3 Stunden hungrig wird, leicht zittrig und unausstehlich, wenn mal eine Mahlzeit ausfällt, dessen Körper läuft in erster Linie auf Zucker und nicht auf Fett.
Fettoxidation, wie die Mobilisierung zur Energiegewinnung tatsächlich heißt, wird in erster Linie durch die Hormone Insulin und Glucagon gesteuert.
Steigt der Blutzucker an, dann wird Insulin von der Bauchspeicheldrüse ausgeschieden. Insulin gibt den Zellen das Signal, dass es Zeit ist „Zucker-LKWs“ zur Zellmembran zu schicken um den Zucker in die Zellen zu transportieren. Gleichzeitig hemmt Insulin die Freisetzung von Fettsäuren aus den Fettzellen. Bleibt der Zucker zu lange im Blut, ist das eine Gefahr für den Körper. Zucker bindet an Proteine im Blut und schädigt diese irreversibel. Aus diesem Grund ist der Körper bemüht, den Zucker so schnell wie möglich aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Zucker, der nicht direkt zur Energiegewinnung genutzt werden kann, wird in Form von Glycogen eingelagert und zu Fettsäuren umgewandelt.
Sinkt der Blutzucker, wird Glucagon aktiviert. Glucagon fördert sowohl die Freisetzung von Fettsäuren aus den Fettzellen als auch Gluconeogenese und Glycogenolyse, also die Freisetzung von Glycogen aus den Muskel- und Leberzellen.
Ein niedriger Insulinspiegel ist das hormonelle Signal zur Fettmobilisierung. Da es, nach einem kohlenhydratreichem Essen ein paar Stunden dauern kann, bis Insulin wieder Nüchternwerte erreicht hat, ist es schwer Fettspeicher zu mobilisieren.
Der Vorteil an LCHF ist, dass der Insulinspiegel dauerhaft niedrig bleibt, auch wenn Nahrung aufgenommen wird. Das ermöglicht dem Körper öfter und länger die eigenen Fettreserven zu mobilisieren. Neben anderen Effekten wie vermindertes Hungergefühl, länger anhaltende Sättigung[1] und keine Blutzuckerschwankungen[2], schafft man so das optimale hormonelle Umfeld um mehr Fett zu verbrennen.

Insulin ist wie ein Schloss, welches den Zugang zu unseren Fettspeichern versperrt. Nur wenn Insulin normal-niedrig ist, kann der Körper überhaupt auf die Fettspeicher zugreifen. Ein leicht erhöhter, aber noch als normal eingestufter Insulinspiegel findet sich bei einem Großteil der Bevölkerung. Die Schätzungen liegen bei 80 %. Der manifeste Diabetes ist nur die Spitze des Eisbergs. Die beginnende Insulinresistenz lässt sich schon 10 bis 15 Jahre vor der Diabetesdiagnose feststellen. Hier versagt leider unser Gesundheitssystem, denn Insulin wird nicht routinemäßig überprüft.
Versteht man die Rolle von Insulin, dann lässt sich auch erklären, wie so viele übergewichtige Menschen einfach nicht abnehmen können. Selbst wenn die Kalorien stark eingeschränkt werden. Es erklärt auch, wieso wir oft nur 2 Stunden nach der letzten Mahlzeit, mit Heißhunger nach dem nächsten Snack suchen.
[1] Paoli, Antonio, et al. „Ketosis, ketogenic diet and food intake control: a complex relationship.“ Frontiers in psychology 6 (2015).
[2] Fernemark, Hanna, et al. „A randomized cross-over trial of the postprandial effects of three different diets in patients with type 2 diabetes.“ PloS one 8.11 (2013): e79324.
