Grüner Tee ist eine spezielle Art der Tee-Verarbeitung. Dabei werden die Teeblätter, im Gegensatz zum schwarzen Tee, nicht fermentiert. Dies verändert Farbe, Geruch, Geschmack und auch die enthaltenen Wirkstoffe.

Grüner Tee und seine Hauptkomponenten Polyphenole, Catechine und Epigallocatechingallat (EGCG)  werden daher aktuell intensiv auf ihre Wirkungsweise und mögliche Anwendungsgebiete hin erforscht.

Inhaltstoffe

Der Anregende Bestandteil des grünen Tees ist das Koffein. Der Koffeingehalt variiert sehr stark von Teesorte zu Teesorte  und ist unter anderem auch vom Anbaugebiet abhängig. Die zweite Gruppe an Inhaltsstoffen, denen auch in erster Linie, die vielen positiven Wirkungen zugeschrieben werden, sind Catechine. Die wichtigsten Vertreter sind Epicatechin (EC), Epicatechingallat (ECG), Epigallocatechin (EGC) und Epigallocatechingallat (EGCG).

Catechine gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und hier zählen sie zur Gruppe der Flavanoide. Als sekundäre Pflanzenstoffe werden Verbindungen in der Pflanze bezeichnet, die die Pflanze nicht direkt zum Leben benötigt. Hierzu gehören zum Beispiel Blütenfarbstoffe, Terpene oder Tannine.

Sekundäre Pflanzenstoffe zeigen vor allem antioxidative Eigenschaften.

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Was kann der grüne Tee wirklich?

In den letzten Jahren ist ein regelrechter Hype um den grünen Tee entstanden und die Medien haben sich förmlich mit Lobpreisungen überschlagen. Doch was kann der grüne Tee wirklich? Hilft er tatsächlich beim Abnehmen oder gibt es vielleicht sogar eine dunkle Seite?

Antioxidative Wirkung

In einer Placebo-kontrollierten Studie konsumierten 35 übergewichtige, an metabolem Syndrom leidende Patienten entweder 4 Tassen grünen Tee, dieselbe Menge Wasser oder ein Grüntee-Extrakt zusammen mit derselben Menge Wasser. Sowohl Glutathion im Plasma als auch die antioxidative Kapazität sind in beiden Interventionsgruppen signifikant angestiegen[1].

Ganz ähnliche Ergebnisse finden sich auch in einer groß angelegten Studie mit 300 Patienten mit Prä-Diabetes. Hier tranken die Teilnehmer nur 3 Tassen Tee über einen Zeitraum von zwei Wochen. Das antioxidative Potential erhöhte sich bei Männern um 2.7% (P < 0.1)  und bei Frauen um 5.1% (P < 0.1.)[2].

 

Grüntee Extrakt und Gewichtsverlust

[tweetthis hidden_hashtags=“#grüntee #EGCG #abnehmen“]Grüntee Extrakt und Gewichtsverlust – was steckt wirklich dahinter?[/tweetthis]

Die Datenlage ist hier eher durchmischt. Während einige Studien eine positive Wirkung auf die Körperkomposition zeigen und eine erhöhte Lipolyse, so sehen andere keine signifikanten Effekte[3]. Das mag in erster Linie daran liegen,  ob die Studienobjekte gesund und schlank oder übergewichtig und metabolisch geschädigt sind[4]. Der Effekt auf den Gewichtsverlust bei übergewichtigen Personen ist möglicherweise in erster Linie auf die entzündungshemmenden und anti-oxidativen Eigenschaften zurück zu führen[5]. Denn Studien mit normalgewichtigen Teilnehmern zeigten keinen signifikanten Effekt[6].

 

Extrem viel Grüner Tee wirkt negativ auf die Schilddrüse

Sehr große Mengen an grünem Tee (1-2 Liter/Tag) reduzieren T3 und T4 und wirken somit negativ auf die Schilddrüsenfunktion. Dies gilt zumindest für die Mäuse in der Studie, neben einer Verschlechterung der Schilddrüsenwerte konnte auch eine Gewichtszunahme beobachtete werden[7]. Auch andere Studien zeigen, dass EGCG hemmend auf die Wirkung von Schilddrüsenhormen auf Knochenzellen wirken[8] und dass schwarzer Tee eine wesentlich schwächere Wirkung auf die Schilddrüse hat als grüner Tee[9].

Fazit

Abschließend bleibt vermutlich nur zu  sagen, dass der so viel zitierte Spruch von Paracelsus wohl nie an Gültigkeit verliert, denn wie sagt er so schön „Alleine die Dosis macht das Gift“. Außerdem sehen wir, dass man von Ergebnissen bei kranken Menschen nicht auf Gesunde schließen kann und dass Strategien, die bei Übergewichtigen helfen noch lange nicht auch bei normalgewichtigen die gleichen Effekte zeigen.

Solltest du jetzt Angst vor deiner Tasse grünem Tee haben? Natürlich nicht, nur halt vielleicht nicht 2 Liter pro Tag.


 

[1] Basu A, Betts NM, Mulugeta A, Tong C, Newman E, Lyons TJ. Green tea supplementation increases glutathione and plasma antioxidant capacity in adults with the metabolic syndrome. Nutr Res. 2013 Mar;33(3):180-7. doi: 10.1016/j.nutres.2012.12.010. Epub 2013 Jan 30.

[2] Toolsee NA et al. Effectiveness of Green Tea in a Randomized Human Cohort: Relevance to Diabetes and Its Complications. Biomed Res Int. 2013;20[13:41]2379.Epub 2013 Sep 12.

[3] Chen, I-Ju, et al. „Therapeutic effect of high-dose green tea extract on weight reduction: A randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial.“ Clinical Nutrition (2015).

[4] Hill, Alison M., et al. „Can EGCG reduce abdominal fat in obese subjects?.“ Journal of the American College of Nutrition 26.4 (2007): 396S-402S

[5] Rains, Tia M., Sanjiv Agarwal, and Kevin C. Maki. „Antiobesity effects of green tea catechins: a mechanistic review.“ The Journal of nutritional biochemistry 22.1 (2011): 1-7

[6] Janssens, Pilou LHR, Rick Hursel, and Margriet S. Westerterp-Plantenga. „Long-Term Green Tea Extract Supplementation Does Not Affect Fat Absorption, Resting Energy Expenditure, and Body Composition in Adults.“ The Journal of nutrition (2015): jn-114.

[7] Abulfadle, Khaled Abdelfattah, et al. „Effect of Excessive Green Tea Versus Fluoride and Caffeine on Body Weight and Serum Thyroid Hormones in Male Mice.“ Journal of Physiology and Pharmacology Advances 5.2 (2015): 565-573.

[8] Kato, Kenji, et al. „(-)-Epigallocatechin gallate inhibits thyroid hormone‑stimulated osteocalcin synthesis in osteoblasts.“ Molecular medicine reports 4.2 (2011): 297-300.

[9] Chandra, Amar K., and Neela De. „Goitrogenic/antithyroidal potential of green tea extract in relation to catechin in rats.“ Food and Chemical Toxicology 48.8 (2010): 2304-2311.

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