Freispruch für das Ei

Februar 10 / Blog, Information, Studien / von Mag. Julia Tulipan

Es ist schon interessant wie lange sich manche Mythen halten und wie lange es dauert bis „liebgewonnenen“ Vorurteile begraben werden.

Dass weder Cholesterin in er Nahrung noch das Ei als Lebensmittel eine Gefahr für Leib und Leben darstellt, ist in den letzten Jahren schon in mehreren Meta-Analysen bestätigt worden. Aus diesem Grund hat auch die amerikanische Gesundheitsbehörde ihre Ernährungsempfehlungen schon 2015 dahingehen geändert, dass Cholesterin nicht mehr als „besorgniserregender Nährstoff“ gilt und es keine Limitierungen der maximalen Aufnahme mehr gibt. 

 

 

Nun ist in der Ernährungs-Umschau ein Review zum Einfluss des Eierverzehrs auf kardiovaskuläre Erkrankungen erschienen, bei dem die Erstautorin eine DGE-Mitarbeiterin ist. Im Fazit schreiben die Autoren:

„Die Ergebnisse aus Metaanalysen und systematischen Reviews von prospektiven Kohortenstudien, die die Auswirkungen des Eierverzehrs auf das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen untersuchten, ergeben für die Allgemeinbevölkerung und Menschen mit diagnostiziertem Diabetes mellitus Typ 2 ein recht einheitliches Bild. In Metaanalysen war für die Endpunkte kardiovaskuläre Erkrankungen insgesamt, KHK und Schlaganfall überwiegend kein Risikozusammenhang mit dem Eierverzehr festzustellen. Bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 ergaben die Studienergebnisse zu Eierverzehr und kardiovaskulärem Risiko überwiegend einen risikoerhöhenden Zusammenhang.“

Passend dazu erschien im Januar 2020 ebenfalls eine Analyse von weltweit zusammengetragenen Daten. Hier wurden die Ergebnisse von 177.000 Menschen aus 50 verschiedenen Ländern ausgewertet. Die Ergebnisse wurden im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht. Die Autoren schlussfolgern: „… we did not find significant associations between egg intake and blood lipids, mortality, or major CVD events.” (wir fanden keinen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Eierkonsum und Blutfettwerten, Sterblichkeit und größeren Herz-Kreislauf-Events“

 


Quellen:

https://time.com/wp-content/uploads/2015/02/dgac-meeting-7-sc-1.pdf

https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2020/01_20/EU01_2020_M23-M29.pdf

https://academic.oup.com/ajcn/advance-article-abstract/doi/10.1093/ajcn/nqz348/5713417

Dehghan, Mahshid, et al. „Association of egg intake with blood lipids, cardiovascular disease, and mortality in 177,000 people in 50 countries.“ The American Journal of Clinical Nutrition (2020).

Bildquellen:

Mag. Julia Tulipan

Über den Autor

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin. Sie ist Speakerin, Dozentin und Best Seller Autorin ("Keto Kompass") und schreibt für verschiedene Magazine (u.a. Super You)sowie für ihr eigenes Blog JuliaTulipan.com vor allem zu den Themen ketogene und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Keto-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

Mag. Julia Tulipan

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  1. Diese Erkenntniss ist nicht neu. Die Cholesterin-Lüge ist von etlichen Autoren schon lange aufgedeckt, jedoch konsequent ignoriert worden. Allerdings ist auch nicht das Cholesterin im Ei der ungünstige Stoff, sondern vielmehr die Arachidonsäure, die Entzündungen triggert. Daher sind nach meinem Dafürhalten Eier sowie alle arachidonsäurereichen Lebensmittel nur in kleinen Mengen zuträglich, insbesondere im Hinblick auf Erkrankungen des rheumatoiden Formenkreises (Stichwort inflammatorische Prozesse).

    1. Hallo Gitta,
      es gibt sicher individuelle Überempfindlichkeiten, allerdings kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung keinen Zusammenhang zu Arachidonsäure in der Ernährung und pro-inflammatorischen Prozessen feststellen. Auch in Studien und Beobachtung von Naturvölkern sieht man hier keinen Zusammenhang. Die Arachidonsäure ist immerhin extrem wichtig für unser Gehirn. So soll ja das Verhältnis von n3 zu n6 im Gehirn 1:1 sein. Die n6 im Gehirn ist genau die Arachidonsäure. Spannend ist ja welche Fette der Körper aus Kohlenhydraten macht. Nämlich Palmitinsäure. Aber Individualisierung ist auf jeden Fall der Schlüssel.

  2. Es ist schon unglaublich, was die Wissenschaft so herausfindet. Ich bin Dipl.-Agr.-Ing. und habe von 1972 bis 1976 an der Karl-Marx-Universität in Leipzig studiert. Schon damals habe ich gelernt, dass wir mehr Cholesterin benötigen, als in der Nahrung enthalten ist und dass die Leber das Nahrungscholesterin in körpereigenes Cholesterin umwandelt. Ich habe also dem Mythos vom bösen Ei nicht geglaubt. Ich selbst esse seit fast 20 Jahren 2 Eier zum Frühstück, allerdings nicht aus dem Supermarkt, sondern vom privaten Erzeuger. Das gefährliche sind für mich die Futtermittel und Haltungsbedingungen, die mich vom Eierverzehr abhalten würden. Meine Cholesterinwerte sind top in Ordnung. Ich hab übrigens schon vor 50 Jahren in der DDR noch Anderes gelernt, was heutzutage als neueste Erkenntnis aus dem Hut gezaubert wird. Aber ich freue mich, dass das Ei endlich rehabilitiert wird. Mit freundlichen Grüßen, J. Schollbach

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